Vom Wert des Waldes - mehr Informationen

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Waldschutz – Vater des Nachhaltigkeitskonzeptes

Die Wälder dieser Erde, insbesondere die tropischen Wälder, sind elementar für die Zukunft der Menschheit. Sie sind der Lebensraum für den größten Teil der an Land lebenden Tier- und Pflanzenarten, liefern Baumaterial, Nahrungsmittel, reines Wasser, Heilpflanzen und spielen eine zentrale Rolle für das lokale und globale Klima. Diese Funktionen werden auch als Ökosystemdienstleistungen bezeichnet. Wälder und Nachhaltigkeit stehen in einem engen Wechselverhältnis. Das heute umfassend verstandene Konzept der Nachhaltigkeit stammt ursprünglich aus der Forstwirtschaft. Es wurde im 18. Jahrhundert in Deutschland entwickelt, um die weitgehend kahlgeschlagenen Wälder zu revitalisieren und dauerhaft zu bewirtschaften. Kerngedanke nachhaltiger Waldwirtschaft war und ist es, das Ökosystem Wald so zu nutzen, dass alle seine wesentlichen Funktionen erhalten bleiben, nur so viel Holz entnommen wird, wie natürlich nachwachsen kann und das ökologische Gefüge nicht zerstört wird. So sollen Wälder als Lebens- und Naturraum sowie als Wirtschaftsfaktor für nachfolgende Generationen erhalten bleiben. 

Ohne Waldschutz kein Klimaschutz

Wälder stabilisieren das globale Klima, sie funktionieren wie große weltweite „Klimaanlagen“. Indem sie Sonnenenergie in Wasserdampf umwandeln, kühlen sie die Atmosphäre und sind für den Niederschlag in den Regionen südlich und nördlich des Äquators verantwortlich. Wälder sind ein Garant für Regen und Wasserkreisläufe – weltweit. Sie ermöglichen damit Leben. Sie versorgen direkt und indirekt Landwirtschaft, Städte und Industrie mit Wasser. Sie sichern die Existenz der Menschheit. Waldzerstörung bedroht diese Lebensgrundlage. Wälder fungieren zudem als riesige Kohlenstoffspeicher. Sie speichern etwa die Hälfte des auf der Erde gebundenen Kohlenstoffs. Werden Wälder vernichtet, wird ein Großteil des gespeicherten Kohlenstoffs als Kohlendioxid (CO2) freigesetzt. Entwaldung ist für rund 17 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich. Besonders gravierend ist die Entwaldung in tropischen Regionen von Lateinamerika, Asien und Zentralafrika. Der Kampf gegen den Klimawandel kann aber nicht ohne den Erhalt der tropischen Wälder gewonnen werden. Doch auch die Wälder der nördlichen Breiten müssen erhalten und nachhaltig bewirtschaftet werden, um das Klima zu stabilisieren und ökologische Funktionen zu sichern. 

Stop der Kettenreaktion

Jedes Lebewesen, jede Pflanze, hängt von der Existenz anderen Lebens, anderer Pflanzen ab, und ist auf einzigartige Weise vernetzt. Das Aussterben einer Art führt zu einer negativen Kettenreaktion für andere Arten. Auch der Mensch ist integraler Bestandteil dieses Systems. Er verliert, wird der Wald vernichtet. Wenn durch den Kahlschlag der Wälder das Ökosystem Wald zerstört wird und nur noch „Waldinseln“ übrig bleiben, brechen die komplexen Verknüpfungen und Lebensgemeinschaften zusammen, Arten sterben aus und die wertvolle biologische Vielfalt geht verloren – unersetzbar und für immer. Der Artenverlust ist jedoch auch ein Verlust für Wirtschaft und Gesellschaft. Viele Pflanzen werden bereits heute für Gesundheit, Medizin und andere Zwecke genutzt. Der Nutzen vieler anderer Pflanzen und Organismen ist längst noch nicht entdeckt. Waldschutz bedeutet also immer auch Artenschutz. Es gibt noch einen anderen und vielleicht wichtigeren Grund, den Artenreichtum zu erhalten: Artenverlust forciert Armut. 1,5 Milliarden Menschen, die weltweit von intakten Wäldern und ihren Produkten abhängen, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, verlieren durch Waldzerstörung ihre Lebensgrundlage.

Wälder - Mehr als Holz und Acker

Holz ist der älteste vom Menschen genutzte Baustoff und Energieträger. Wälder wurden gerodet, um Ackerland zu gewinnen, Städte und Dörfer zu errichten. So gingen in Europa und Nordamerika der Großteil der Wälder verloren. In Lateinamerika, Afrika und Asien sorgen nun die nachholende Modernisierung und der Hunger der Industriestaaten nach landwirtschaftlichen Produkten für den Kahlschlag der tropischen Wälder. Entwicklungs- und Schwellenländer stehen heute vor einer ähnlichen Herausforderung wie Europa im 18. und 19. Jahrhundert. Damals endete der Raubbau an den Wäldern erst, als Holz eine Mangelware wurde. Weder Brasilien noch Indonesien können sich jedoch leisten zu warten, bis ihre Wälder gerodet sind – die Konsequenzen für Umwelt und Gesellschaft wären fatal. Doch unterliegen diese Länder heute einem viel komplexeren Wirkungsgefüge, das ihren Wäldern zu Leibe rückt: Die weltweite Nachfrage nach Holz, Rindfleisch, Soja, Palmöl und Mineralien, der Ausbau heimischer Infrastruktur, anhaltende Armut und Unterentwicklung. Es geht um einen schwierigen Balanceakt: Wälder so zu bewirtschaften, dass sie weiterhin als wertvolle Rohstofflieferanten dienen, ihre ökologischen Funktionen bewahren und den Weg für Entwicklung eröffnen. 

Die Natur braucht uns nicht. Aber wir brauchen die Natur.

Wälder liefern dem Menschen eine Vielzahl sogenannter „Ökosystemdienstleistungen“: Speicherung von Niederschlägen, Erosions- und Bodenschutz, Temperaturpuffer. So sind Wälder zum Beispiel für die lokalen und globalen Wasserkreisläufe unersetzlich. Sie speichern Wasser und geben es langsam wieder ab. Sie fungieren als große Wasserfilter und ersparen die teure Aufbereitung von Trinkwasser. Lokal dämpfen sie Temperaturschwankungen, erhöhen die Luftfeuchtigkeit und bremsen Stürme. In Bergregionen dienen Wälder als natürlicher Schutz vor Lawinen. Zudem schützen die Baumkronen die empfindliche Humusschicht der Böden vor Regen. Diese Ökosystemleistungen  erbringen jährlich einen Wert in Höhe von mehreren Billionen Euro. Dieser Wert wird bisher in herkömmlichen ökonomischen Bewertungen nicht einkalkuliert und daher als selbstverständlich angenommen. Aus diesem Grund ist es für Menschen oftmals profitabler, Wälder zu roden und beispielsweise als Anbauflächen für landwirtschaftliche Erzeugnisse zu nutzen, als ihren Bestand zu sichern. Der größte Teil der Entwaldung geht auf solche Fehlanreize zurück. Kompensationszahlungen für Waldschutz sind ein erster wichtiger Schritt solche Fehlanreize zu korrigieren und ein zukünftiges System für Ökosystemleistungen aufzubauen. Sie sind ein Signal, dass Unternehmen bereit sind, in den Schutz des natürlichen Kapitals der Erde zu investieren.

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